Abstract

Beijerincks 1898 eingeführtes völlig neues Konzept eines filtrierbaren Contagium vivum fluidum, das sich in enger Verbindung mit dem Stoffwechsel des Wirts vermehrte und zusammen mit Pflanzennährstoffen in Phloemgefäßen verteilt wurde, entsprach nicht der damals vorherrschenden bakteriologischen Keimtheorie. Zu dieser Zeit gab es keine Werkzeuge und Konzepte für den Umgang mit einer solchen neuen Art von Agenten (den Viren). Beijerincks neuartige Idee revolutionierte daher nicht die biologische Wissenschaft oder veränderte sofort das menschliche Verständnis von ansteckenden Krankheiten. So blieb das bakteriologische Dogma bestehen, wie es von Loeffler und Frosch bei der Darstellung der Filtrierbarkeit eines tierischen Virus (1898) und insbesondere von Ivanovsky geäußert wurde, der bereits 1892 die Filtrierbarkeit des Tabakmosaiks nachgewiesen hatte, aber weiterhin nach einer Mikrobe suchte und schließlich (1903) behauptete seine Vermehrung in einem künstlichen Medium. Das Dogma wurde auch von Roux 1903 stark befürwortet, als er die erste Rezension über Viren schrieb, die er „sogenannte „unsichtbare“ Mikroben“ nannte, die unwissentlich den Erreger der bovinen Pleuropneumonie einschlossen und sich erst viel später als durch ein Mykoplasma verursacht erwiesen. 1904 war Baur der erste, der sich stark für die chemische Sichtweise von Viren einsetzte. Die Unsicherheit über die wahre Natur von Viren mit ihren Ähnlichkeiten mit Enzymen und Genen hielt jedoch bis in die 1930er Jahre an, als endlich Tabakmosaikviruspartikel als enzymartiges Protein isoliert wurden (1935), um bald besser als Nukleoprotein charakterisiert zu werden (1937). Physikochemische Virusstudien waren ein Schlüsselelement bei der Auslösung der Molekularbiologie, die weitere Mittel bereitstellen sollte, um die wahre Natur von Viren ‚an der Schwelle des Lebens‘ aufzudecken. Beijerincks Vision von 1898 wurde zu Lebzeiten nicht geschätzt oder verifiziert. Aber Beijerinck hatte bereits eine klare Vorstellung von dem Mechanismus hinter den Phänomenen, die er beobachtete. Die Entwicklungen in der Virologie und Molekularbiologie seit 1935 zeigen, wie nahe Beijerinck (und sogar Mayer, Beijerincks Vorgänger in der Tabakmosaikforschung) an der Marke waren. Die Geschichte der Tabakforschung und das Engagement von Mayer, Beijerinck und anderen zeigen, dass Fortschritt in der Wissenschaft nicht nur eine Frage der bloßen Technologie, sondern auch der Philosophie ist. Raemaekers von Beijerinck inspirierter Mayer-Cartoon stellt künstlerisch die entscheidende Frage nach der Verlässlichkeit unserer Realitätsbilder und nach dem Ausmaß unseres technologischen Eingriffs in die Natur.

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